-->

Dienstag, 8. März 2011

Im Halbdutzend billiger

Armand W. war ein ruhiger, besonnener Mann. Seine Liebe galt der Philosophie. Die erste Hälfte seines Lebens widmete er den ausgiebigen Studien und dem Entdecken aller Herren Länder, unterstützt durch seinen großzügigen Vater, der es seine Kinder an nichts missen ließ. Später leitete Armand ein kleines Unternehmen. Bilder aus der Zeit zeigen Armand als sympathischen, wohlgenährten Enddreißiger, der mehr intellektuellen Herausforderungen zugetan war, als den praktischen Ansprüchen des Lebens.

Und dann trat Aimée überraschend in sein Leben ein. Aimée, eine äußerst charmante Frau aus kleinen Verhältnissen. Aimée, die es gewagt hatte, sich in den dreißiger Jahren von ihrem ersten Mann scheiden zu lassen. Aimée, die für ihre beiden kleinen Mädchen ein besseres Leben wollte. Wie genau Aimée es geschafft hatte, in Armands intellektuellen Elfenbeinturm vorzudringen, weiß ich nicht.

Im Frühling des vierten Kriegsjahres jedenfalls heirateten Armand und Aimée. Eine bescheidene Hochzeit, den Zeiten und Gegebenheiten entsprechend. In den nächsten Jahren, quasi in Förderbandproduktion, vergrößerte sich die Familie um drei Söhne, eine weitere Tochter, drei Schildkröten und ein Kindermädchen. Armands Haus platzte aus allen Nähten.

Ich frage mich, wie sich Armand dabei fühlte, dass sich seine ruhige Oase innerhalb von fünf Jahren in einen kunterbunten Zirkus verwandelte. Begrüßte er es, von der Frau seiner Träume aus dem Schneckenhaus gelockt worden zu sein? Oder beugte er sich des Frieden willens den Wünschen seiner Gattin?

Die dick gefüllten Fotoalben zeigen eine enthusiastische Aimée, die den Kindern am Lago Maggiore das Schwimmen beibringt. Die sich verkleidet, um mit den Kleinen ausgiebig Fasching zu feiern. Die sich ihnen anschließt, um singend und Polonaise tanzend den Nationalfeiertag zu begehen. Doch auf den ganzen Bildern ist weit und breit kein Armand zu sehen.


                           Photo: Familytreemagazine

Kommentare:

  1. Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt.
    Ich stelle mir vor, daß Armand sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen hat. Allerdings dazu passen die gemeinsamen 4 Kinder nicht so recht.
    Aimée hat ihr Ziel erreicht. Sie scheint glücklich zu sein und in der großen Familie aufzugehen.
    Liebe Grüße
    Irmi

    AntwortenLöschen
  2. @ Irmi - Nee, irgendwie passen die Kinder nicht. *Grübel*

    AntwortenLöschen