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Mittwoch, 14. Mai 2014

Lebe ich an meinem Leben vorbei?

Es ist Sonntagmittag und ich klebe hinter meinem Laptop. Vielleicht habe ich keine Freunde? Keine Ideen, wie man den Tag hübsch gestalten könnte? Nein. Der Grund meiner Abgeschiedenheit ist ein anderer. 


Die Abhängigkeit der sozialen Medien. Es ist einfach zu verlockend, kurz nachzusehen, was die mormonische Großfamilie heute unternimmt. Auch interessiert mich, wie es Petra in Abu Dhabi geht und ob Nadine & Katie's Baby bereits das Licht der Welt erblickt hat. Das Bloggen erlaubt mir einen Blick hinter die Kulissen fremder Leben zu werfen. Einerseits purer Voyeurismus. Andererseits die Möglichkeit, sich mit Menschen auszutauschen, denen man vor 15 Jahren kaum begegnet wäre. Ich finde dies unheimlich bereichernd und inspirierend. 

Das Video "Look Up" hat mich allerdings wachgerüttelt. Es zeigt mir plakativ, dass wer virtuell lebt, gerne am richtigen Leben vorbei lebt. Ich erkenne mich wieder. Auch ich bin mit meinem Laptop verheiratet. Blogs und die virtuellen Menschen, die dahinter stecken, bedeuten mir mittlerweile mehr, als einige meiner Bekannten. Doch das Traurige an der Sache ist, dass das Bloggerdörfchen bis auf ein paar wenige Ausnahmen mit meinem echten Leben keine Berührungspunkte hat. Wo her weiß ich denn, dass die Menschen, die ich "ins Herz geschlossen habe" so auch wirklich existieren? Tatsache: Ich weiß es gar nicht.

Ich finde nicht, dass ich mich à la schwerst alkoholabhängig komplett vom Bloggen und den Sozialen Medien verabschieden sollte. Schließlich öffnet es mir neue Sichtweisen und ist unterhaltsam. Zudem erlaubt es mir, bei meinem eigenen Blog auf Bereiche meines Lebens zu fokussieren, die ich besonders mag. Und andere, mit denen ich gerade nicht konfrontiert werden möchte, vorübergehend unter den Teppich zu kehren. Mein Blog ist mein Tagebuch. Ich ordne meine Gedanken und schreibe Erinnerungen für später auf.

Doch es werden unter meinen Freunden und Familienmitgliedern Stimmen laut, dass ich mich nur selten melde. Wo denn meine Unternehmenslust geblieben sei? Es ist leider so. Ich begegne meinen Freundschaften recht passiv, reiße selten Dinge an oder verabrede proaktiv Treffen. Doch so bin ich eigentlich gar nicht! Ich bin extrovertiert, unternehmenslustig und voller Freizeitpläne! 

Ich habe mir überlegt, die goldene Mitte finden zu wollen. Soziale Medien in allen Ehren - Doch nicht auf Kosten des Mittagessens mit Tante Agathe; dem Waldspaziergang mit Stanley, Freundin Abby & ihren Boys oder der Movie Night mit meinem Mann. Wie ich das genau hinbekomme weiß ich noch nicht, doch der gute Vorsatz steht!

Wie hält Ihr die Balance zwischen dem richtigen und dem virtuellen Leben?

Kommentare:

  1. toller post. ich hab mir das video gerade nochmal angeschaut und musste auch staendig nicken. vom bloggen werde ich mich nicht verabschieden. dafuer hab ich (und tue es immer noch) viel zu viele tolle menschen auf diese art kennengelernt. immer haeufiger auch im echten leben. mit einer ex-blog bekanntschaft die ich ein (einziges!) mal im echten leben getroffen habe, emaile ich mittlerweile auch privat fast jeden tag. eine andere blog-freundin treffe ich regelmaessig in London. einige von uns gibt es wirklich. mit der balance tue ich mir nur zu hause schwer. ich hab mich sonst dafuer oder besser gegen internet on the go entschieden. mit meinem praehistorisches iPhone habe ich keinen zugang zum internet. jobtechnisch wird das langsam schwierig, aber ich habe festgestellt, dass man solange man erwartungen gut managed auch damit keine probleme hat. ich sage einfach jedem, dass ich im notfall nur telefonisch zu erreichen bin (was auch schlimm genug ist). im bus, in der schlange bei der post oder am flughafen lese ich entweder oder hoere musik und schau mir die leute an - und fuehl mich dabei oft wie ein alien. und ich gebe es zu, die versuchung ist gross, mir endlich einen instagram account zuzulegen und staendig mobil photos zu posten. aber ich weiss, dass ich sobald ich auch on the go online waere, ich wie jeder andere auch in jeder freien minute blogs, twitter, FB oder emails checken wuerde...

    wenn es um social media geht bin ich froh, dass ich mich noch an die zeit davor erinnern kann und von daher wohl nie in die tiefste abhaengigkeit versinken werde. mir tun aber wirklich die kids leid, die nie etwas anderes erfahren haben...

    xoxo

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    1. Danke!
      Ich finde es toll, wenn es Bloggerfreundschaften schaffen, auch im echten Leben welche zu werden.

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  2. ich glaube, die balance lässt sich ganz gut finden, wenn man möchte.
    ich lebe auch offline gut und genieße regelmäßig freie tage ohne internet... die menschen, die ich aber durch das netz kennengelernt habe, möchte ich (größtenteils) nicht mehr missen (meine längste bekanntschaft dauert stolze 16jahre an) und besonders durchs bloggen verknüpft sich oft das virtuelle spannend mit dem realen leben.

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  3. Die Balance zu finden ist wirklich nicht so einfach. Ich habe mich mal darauf besonnen weswegen ich mit dem Bloggen begonnen habe: um Gleichgesinnte in Sachen Bücher, Schuhe und Nagellack zu finden, denn das ist online einfach leichter. Und so teile ich das nun auch wieder ein. Nicht streng, die Grenzen sind fließend und eine meiner liebsten Freundinnen (nakura) habe ich durch meinen Blog gefunden, aber doch so, dass ich weiterhin gewisse Sachen im Netz lasse, und genauso im "echten" Leben unterwegs bin, dann eben für den Sport, um Restaurants auszuprobieren, clubben zu gehen und Grillabende zu veranstalten. Manchmal hat man Glück und man entdeckt, dass auch RL-Freunde was für Nagellack übrig haben ;)

    Zusätzlich macht es mir die Bloggerwelt derzeit aber auch recht einfach mich auf andere Lebensbereiche zu konzentrieren, denn es gibt kaum noch Blogs, die regelmäßig bloggen und mich inhaltlich interessieren - sieben Nagellack-Swatches pro Woche brauche ich nämlich auch nicht.

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  4. Du sprichts mir gerade aus der Seele. Ich bin seit einiger Zeit nur noch stiller, mal mehr mal weniger Mitleser von Blogs. Und ich bin mir auch gerade nicht sicher wohin ich mich bewege. Ich schwanke zwischen absoluter Begeisterung für die Bloggerwelt, überlege mir neue Blogdesigns und Konzepte, um dann wieder alles zu verwerfen und der Bloggerwelt den Rücken zu kehren. Ich denke die Krux ist sich zu überlegen, warum man selber bloggt oder Blogs liest. Möchte man möglichst viele Leser haben, sich selbst darstellen oder ein modernes Tagebuch führen? Liest man andere Blogs um sich inspirieren zu lassen, aus Neugier oder aus Neid? Ich glaube, erst wenn man sich diese Fragen grundehrlich zu sich selbst beantwortet, findet man einen Mittelweg zwischen echtem und sozialem Leben. Denn am Ende vom Tag kann kein Post dieser Welt das grundzufriedene Gefühl nach einem Mädelsabend, Familienessen oder Urlaub mit der/dem Besten (und es gibt noch hunderte weitere Beispiele) ersetzen.
    Ich für meinen Teil freue mich, dass du Teil der Bloggerwelt bist und hoffe du bleibst uns weiterhin erhalten. Denn so gern wie ich mich mit den schönen materiellen Sachen dieser Welt wie Klamotten, Reisen oder Handtaschen beschätfige, liebe ich es deine Posts zu lesen, die sich "erwachsenen" Themen widmen, die über den Tellerrand hinausschauen und mehr vom Leben sehen.
    Liebe Grüße,
    Mrs.B

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