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Samstag, 10. Mai 2014

Gelb vor Neid!


An einem schönen Juniabend hasste ich meine Cousine Géraldine für zwei Minuten mit Inbrunst – sie hatte einen MEINER Träume verwirklicht. Ihn mir quasi vor der Nase weggeschnappt. Nicht nur das. Aus der Ferne schien es mir, als hätte sie nicht mal was dafür getan. Nur Glück gehabt. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Mir entgleisten die Gesichtszüge und ich verfiel in Schnappatmung. Nicht cool. Denn der Neid hat ein hässliches Gesicht.


Auf wen bin ich neidisch?
Mit etwas Abstand sehe ich das nicht mehr so eng und frage mich: Auf wen bin ich neidisch? Menschen, die hart für eine Sache kämpfen und meinem engsten Freundeskreis mag ich alles gönnen. Sicher, es kommt vor, dass ich mir denke: "Oh, das hätte ich auch gerne". Doch dieser Gedanke ist nicht mit Neidgefühlen, sondern mit Sehnsucht verbunden.

Was ich jedoch nicht mag, ist das Gefühl, mich seit Stunden in einer Schlange anzustellen und ein anderer wandert ratz fatz zum Tresen und streicht die Beförderung/den Hundewelpen/die Anerkennung ein, auf die ich schon ewig warte. Natürlich macht es die Sache noch schlimmer, wenn der Zuschlag an eine unsympathische Person geht!

Neid unter Freunden
Sagen wir es mal so – Neid in einer Freundschaft geht für mich gar nicht. Denn das Fundament einer Freundschaft ist gegenseitige Liebe, Achtung und Mitgefühl.  Wahrscheinlich wird mir dies vereinfacht, da ich nicht dazu neige, mich mit anderen Menschen zu vergleichen. Jeder Mensch ist einzigartig, mit seinen Stärken und Schwächen. Ich glaube, dass es mir innere Zufriedenheit verleiht, mir emotionslos eingestehen zu können, dass Cousine Billi hübscher ist, Bahar hundertmal besser rechnen kann und Caroline viel mehr Feingefühl für ihre Umwelt mitbringt als ich. Das macht mich schließlich nicht zu einem wertlosen Menschen, sondern einfach nur anders als meine Freunde.

Neid auf andere Blogger
Ich lese immer wieder über Neid auf andere Blogger. Das Phänomen amüsiert mich nun wirklich. Wie kann man auf andere Blogger und deren scheinbare Hochglanzwelt neidisch sein? Man merke – jeder hat sein Päckchen zu tragen. Bei den einen ist es offensichtlicher als bei anderen. Oeffentliche Blogs beleuchten kaum je das komplette Leben eines Menschen. Zudem, ziehe ich mir dauerhaft einen Blog rein, wenn ich den Autor für einen grotesken Antipaten halte und sein vermeintlicher Lifestyle mich in den Wahnsinn treibt?

Inspiration statt Neid
Andere Menschen sollen mir Inspirationsquelle und nicht Neidquelle sein. Als Beispiel hierzu Appelgretchen, die ich für einen Menschen halte, die ein sehr erfülltes Leben führt. Bin ich neidisch auf sie? Nein. Ich beobachte jedoch, dass sie ganz nach ihren Bedürfnissen lebt. Und fühle mich inspiriert, in meiner Zielsetzung stets meine Bedürfnisse zu hinterfragen.

Akuter Neidanfall?
Macht sich dann doch ein latentes Neidgefühl bemerkbar, frage ich mich immer, ob ich mit der betreffenden Person gerne Leben tauschen möchte. Neide ich Tante Corinna ihren grandiosen Pool ab, müsste ich theoretisch auch ihr restliches Leben dafür in Kauf zu nehmen. Corinnas überdimensionale Nase und der unausstehliche Ehemann lassen aufkeimenden Neid in Sekunden erblassen.

Du und der Neid - Vergleichst Du Dich oft mit andern? Wie gehst Du mit Neid um?

Kommentare:

  1. Ich finde Neid ganz schlimm, Neid macht auch hässlich. Natürlich sehe ich Dinge, egal ob im RL oder in Blogs, wo ich spontan denke. Boah... das hätte ich auch gerne... oder auch ein Wie macht sie das nur ploppt mal als Gedanke hoch. Und genauso schnell ist dieser Gedanke auch weg. Jedes Ding hat zwei Seiten und ich kenne genug Menschen, die zwar vermeintlich keine Sorgen haben, mit denen ich aber trotzdem nicht tauschen möchte.

    LG

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  2. Ich glaube Sehnsucht statt Neid ist schon der richtige Begriff. Ich würde meinen Freunden nie irgendetwas missgönnen, also bin ich auch nicht wirklich neidisch. Und auch Fremde schon gar nicht. Wahrscheinlich, weil ich da gar nicht auf die Idee kommen würde, mich mit ihnen zu vergleichen. Bei Freunden versuche ich das natürlich auch zu vermeiden(vor allem, weil ich dabei fast immer den Kürzeren ziehe..), aber es passiert natürlich trotzdem, wenn man ein Stück des Weges gemeinsam gegangen ist und auf einmal doch ganz woanders steht. Ich denke, dass es ok ist, wenn man sich manchmal denkt: Oh, das hätte ich auch gerne! Solange man sich zuerst für sie freut :)

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  3. ich glaube, selbstzweifel (dazu gehört auch irgendwie neid) haben schon mehr träume zerplatzen lassen, als irgendwelche fehler, die man enthusiastisch selbst gemacht hat... diese grübelnde passivität von neid ist ganz schön giftig. gut, wenn man da schnell wieder relationen findet :)

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  4. mir ist Neid glücklicherweise auch eher unbekannt. Wie schon erwähnt, ein gelegentliches "Hat sie es gut" oder "Oh wie schön, das hätt ich auch gern" sind normal und treiben einem vielleicht sogar ein Stück weit an. Aber sich selbst vergiften durch ständiges Vergleichen und runtermachen, dafür ist das eigene Leben doch viel zu schade.

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  5. Danke fuer Deine liebe Erwähnung :-) Ich kenne das Gefuehl von Neid (also das giftige Bauchgefuehl, nicht das normale "das hätte ich auch gerne", wie germangreeneyedmonster schon geschrieben hat) eher nicht so und halte es in der heutigen Welt auch fuer ziemlich ueberfluessig. Wurde bestimmt mal in der Evolution dafuer gebraucht, einen anzuspornen und sich weiterzuentwickeln ("cooles Steinwerkzeug, muss ich auch haben und evtl. dafuer den anderen umnieten" - so ungefähr). Heute macht es Leute nur bitter und hindert einen eher daran, sich weiterzuentwickeln. Ich halte es so: was jemand anderes hat/bekommt/gewinnt/wie derjenige aussieht/etc., ist doch nicht von mir weggenommen (normalerweise ;-)).
    Ganz liebe Gruesse, Appelgretchen

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  6. offtopic: Kenwood House ist der Wahnsinn! Wunderschoen gelegen, ein sehr sehenswertes und frisch renovierter Haus und ein nettes Cafe mit lauschigen Sitzplaetzen im Gruenen. Da musst du unbedingt hin :-)

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  7. Deine erste Anmerkung dazu kann ich genauso auch unterschreiben. Neid im Sinne von "andere bekommen ohne Zutun genau das, was ich mir erarbeite und noch nicht habe. Kommt gar nicht mal so selten vor und nervt mich ganz gewaltig.
    Ansonsten ist Neid nichts, was ich zulasse.

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  8. Ich beneide am ehesten Menschen, mit denen ich etwas gemeinsam habe, in denen ich mich wiedererkenne. Dann denke ich nämlich am ehesten, dass ich das was er/ sie hat auch haben sollte oder könnte, weil ich ihm/ ihr ja so ähnlich bin. Dieses Gefühl empfinde ich je nach Tagesform als Neid oder als Ansporn/ Inspiration.
    WENN ich Leute beneide, dann um immaterielle Dinge, z.B. die Fähigkeit leicht Kontakte zu knüpfen. Zwar denke ich manchmal, wenn ich sehe, dass Bloggerin xy schon wieder eine neue Designertasche hat: "Gib mir auch eine ab!", aber das ist kein Neid. Ich begeistere mich zwar für schöne Dinge, aber davon hängt mein Glück nicht ab.

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  9. In letzter Zeit verspüre ich hin und wieder den Anflug von Neid. Allerdings erinnert er mich daran, das ich die gleichen Dinge erreichen kann, wenn ich wirklich will. Ich denke beim Neidaufkommen sollte man immer ehrlich zu sich selbst sein. Das ist nicht einfach und von Fall zu Fall bestimmt auch unterschiedlich. Aber oft hatte man die selben Möglichkeiten oder Träume und hat sie nur nicht ergriffen. Warum auch immer. Finde es super, das Du das Thema angesprochen hast, weil man eigentlich nicht gerne darüber redet.
    LG Babsi

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